Kategorie: Leuchtmittelindustrie

„Energiesparlampe“ 1

Energiesparlampen werden dank niedrigerem Stromverbrauch als Fortschritt betrachtet und als Ökolampe bezeichnet. Wie aber sieht es mit deren tatsächlichem Wert für die Umwelt aus? Alexandra Pfeil untersuchte dies in ihrem 44-minütigen Beitrag „Ausgebrannt – vom Ende der Glühbirne“, Produktion: Spiegel TV GmbH, ausgestrahlt am 19.4.2012 auf 3Sat.

Im Jahr 2009 verordnete das EU-Kommissariat Energie, seit 2010 unter der Leitung von Günther Oettinger (siehe auch den Beitrag „Oettinger – auch Freund der Autoindustrie„), faktisch das Ende der Glühbirne und verurteilte sie zum Auslaufmodell. Nach dem Verbot der ersten Glühlampen 2009 stiegt der Absatz von Energiesparlampen um 35 % auf 27 Millionen, so die Autorin.

Die Lebensdauer der Glühlampe war ein Argument für deren Verbot, beträgt sie doch nur 1.000 Stunden. In der kalifornischen Gemeinde Livermore in der Feuerwache hängt die Ausnahme zu dieser Regel: Eine 4 Watt-Glühlampe, die dort seit 1901 ihren Dienst versieht!
Am Rande bemerkt: Weihnachten 1924 trafen sich in Genf die führenden Glühlampenhersteller und begründeten das weltweit erste Wirtschaftskartell („Phoebus“ genannt), so Katja Winkelmann, Lichtplanerin. Ein Ziel waren Preisabsprachen und die Aufteilung des Marktes (Monopolisierung). Die Hersteller arbeiteten nicht gegeneinander, sondern miteinander. Es wurde dort auch vereinbart, die Lebensdauer von Glühlampen auf 1.000 Stunden zu reduzieren. Ein speziell zu diesem Zweck gegründetes „1.000 Hours Life Committee“ betrieb die entsprechende Forschung unter den Augen des Kartells. 1940 war die Standardisierung erreicht. Den Verbrauchern wurde dies als Fortschritt suggeriert; angeblich brenne die Glühlampe nun heller und länger. 1950 wurde der Hersteller General Electric nach elfjährigem Rechtsstreit wegen illegaler Preisabsprachen und unlauterem Wettbewerb verurteilt. In Folge dessen verschwand das Phoebus-Kartell.
Externe Erfindungen langlebiger Glühbirnen wurden von den Herstellern auch danach nicht übernommen. Anfang der 80er Jahre soll es in der DDR eine bahnbrechende Entwicklung gegeben haben, die jedoch nie produziert worden ist: eine Glühlampe mit einer Brenndauer von 150.000 Stunden. Ihr Erfinder starb bei einem Flugzeugabsturz.
Sogenannte Signallampen, so Elektroingenieur Wolfgang Herter vom Prüfzentrum Technik, Wilhelmshaven, die jedoch im freien Handel nicht zu erwerben sind, wurden vom Glühlampenverbot ausgenommen und haben eine Lebensdauer von ca. 16.000 Stunden!

Doch was macht nun die neuen Sparbirnen so öko? Energiesparlampen sind nicht dafür gedacht, in kurzen Intervallen ein- und wieder ausgeschaltet zu werden (z. B. Toilette). Folge: Die angegebene Lebensdauer wird nicht erreicht. Hersteller OSRAM gibt die Lebensdauer seiner 20 Watt-Energiesparlampe auf der Packung mit 20 Jahren an, aber dies nur, wenn sie nicht mehr als 2,7 Stunden am Tag brennt (vermerkt im kaum lesbaren Kleingedruckten).

Energiesparlampe 1ÖkoTest untersuchte 16 verschiedene Modelle von Energiesparlampen. Laut Verpackung soll eine dieser Lampen mit 11 Watt eine 60 Watt-Glühbirne ersetzen. Chefredakteur Jürgen Stellpflug: „Das kommt nie und nimmer hin!“ ÖkoTest stellt fest, dass dazu mindestens eine 14 Watt-Lampe nötig sei, und da die Helligkeit dieser Leuchtmittel schnell nachlässt, sollte besser eine 21 Watt-Lampe zum Einsatz kommen. Weiter verspricht die Packung, dass acht Glühbirnen gebraucht würden, um die Lebensdauer dieser Energiesparlampe zu überbieten. Wolfgang Herter testet u. a., wie lange die Energiesparlampen wirklich brennen. Im Prüflabor hängen mehr als 100 Lampen von 36 Herstellern. Ein Dauertest über 7.000 Stunden führt zu ca. 30 % Ausfällen. Den Schalttest (eine Minute an, fünf Minuten aus) überleben erste Modelle bereits nach 3.000 Schaltzyklen nicht. Auf eine Anfrage bei OSRAM zur Lebensdauer dort hergestellter Energiesparlampen erfolgt die Antwort an die Autorin:

„Wir haben Ihre Fragen eingehend geprüft und können Ihnen sagen, dass die OSRAM Energiesparlampen allen gesetzlichen Standards in puncto Lebensdauer entsprechen.“ (OSRAM, E-Mail vom 06.12.2011*)

Eine sogenannte „Lampenverordnung“, nach der sich die Hersteller richten, wurde gemeinsam mit der Leuchtmittel-Industrie entwickelt. Da hat man schon Sorge dafür getragen, dass die Anforderungen nicht allzu zu hoch ausfallen, so Wolfgang Herter.

Energiesparlampe 3Sämtliche Energiesparlampen bis zur Leuchtstoffröhre enthalten technikbedingt extrem giftiges Quecksilber. So wurde hierzulande für dessen Benutzung in Leuchtstofflampen eine spezielle Sonderregelung geschaffen, womit eine mögliche gesundheitliche Gefährdung und Umweltverschmutzung durch Herstellung und Gebrauch von Energiesparlampen legalisiert wurde. Geht eine solche Lampe zu Bruch, ist das sehr gefährlich, so der Chemiker Gary Zörner vom Labor für chemische Analytik in Delmenhorst, weil das Quecksilber sofort verdampft und bereits in Sekundenbruchteilen in die Lunge eingeatmet werden kann. Es schädigt das Gehirn und andere Organe, wirkt als schweres Nervengift und zieht das Immunsystem in Mitleidenschaft. Giftiges Schwermetall in einer Ökolampe – ein Fortschritt?
Der Höchstwert an Quecksilber für derartige in Europe hergestellte Lampen beträgt maximal 5 mg. Bei zu wenig Quecksilber startet die Lampe nicht, bei zuviel schon. Mangels feinerer Kontrollen wird bei billigen in Asien produzierten Produkten eher eine Menge eingebracht, die über dem hiesigen Grenzwert liegt, was die problemlose Funktion der Lampe garantiert.
Es sind Berichte von schweren Quecksilbervergiftungen unter Arbeitern chinesischer Billig-Hersteller bekannt geworden, die ohne entsprechende Schutzkleidung und wirksame Absaugung der Dämpfe in einer großen Fertigungshalle der Foshan Electrical and Lighting Company an der Quecksilbereinfüllung arbeiten müssen.
Seit 2004 ist der deutsche Hersteller OSRAM Teilhaber an diesem Werk. Die Antwort an Alexandra Pfeil auf eine Anfrage über dortige Zustände lautet knapp:

„Die OSRAM Energiesparlampen halten sämtliche Fertigungsnormen und -richtlinien ein.“ (OSRAM, E-Mail vom 6.12.2011*)

Das Lichtspektrum einer Energiesparlampe kann mit dem einer Glühlampe nicht konkurrieren. Tageslicht beispielsweise beinhaltet ein nahezu über alle Farben gleichmäßiges Farbspektrum, so die Lichtplanerin Katja Winkelmann. Auch bei der Glühlampe ist es kontinuierlich, jedoch mit einem Anstieg hin zum warmen Rotbereich. Die Leuchtstofflampe hingegen produziert ein eingefärbtes blaues Licht, das nur Teilbereiche des Farbspektrums wiedergibt, weshalb dieses Licht von vielen Menschen als unangenehm empfunden wird, erklärt Katja Winkelmann.

Marken- wie Billigprodukte unter Energiesparlampen weisen laut ÖkoTest-Redaktion eine gemeinsame Schwäche auf: Sie dünsten teilweise gesundheitsschädliche Substanzen aus, sie stinken. Eine Untersuchung dieser flüchtigen Stoffe durch das Labor für chemische Analytik mittels eines Gasspektrometers spürt u. a. die krebserregenden Substanzen Phenol und Tetrahydrofuran auf wie auch viele andere gesundheitsschädliche, das Nervensystem und die Leber schädigende Alkylbenzole, also ein ganzes Cocktail an verschiedenen bedenklichen Substanzen, die in ihrer Gesamtheit ein besonderes gesundheitliches Risiko ergeben. So müsste laut Gary Zörner die Energiesparlampe sofort verboten werden. Es sei nicht nachvollziehbar, dass eine ungiftige Lampe wie die Glühbirne zu Gunsten eines Leuchtmittels mit einer ganzen Fülle an verschiedenen Wirkmechanismen verboten wird.
Weshalb und wo treten überhaupt Giftstoffe aus der Energiesparlampe aus? Mit einem einfachen Detektor, einer sogenannten Schnüffelsonde, lässt sich feststellen, dass die Gase aus den Schlitzen an dem Sockel kommen, sobald die Lampe eine gewisse Wärme erreicht hat, stellt Wolfgang Maes fest, Sachverständiger für Umweltanalytik aus Neuss. Eine Versiegelung wäre möglich, jedoch mit Kosten verbunden. OSRAM antwortet der Autorin zur Problematik:

„Die OSRAM Energiesparlampen halten sämtliche Fertigungsnormen und -richtlinien ein“. (OSRAM, E-Mail vom 6.12.2011*)

Solange die Verbraucher ein Produkt so konsumieren wie es ist, belassen es die Hersteller dabei, erklärt Wolfgang Maes.

Befragt zu Studien im Vorfeld des Glühlampenverbots 2009, antwortet die Sprecherin des EU-Kommissars für Energie, Marlene Holzner, es seien vor dem Verbot unabhängige Wissenschaftler zum Quecksilbergehalt in Energiesparbirnen befragt worden, die jedoch jedes Risiko für Konsumenten verneinten. Einen Tag danach erfolgte eine Berichtigung an die Autorin seitens Marlene Holzner per E-Mail:

„Der EU-Kommission lagen die Studienergebnisse (erst nach dem Glühlampenverbot) im Mai 2010 vor.“ (E-Mail vom 11.11.2011*)

Der Abgeordnete Holger Krahmer, FDP, saß, als die Richtlinie zur Energieeffizienz bei Leuchtmitteln beschlossen wurde, auch im Parlament. Die Auseinandersetzung mit den Gefahren der Sparbirne hat er ganz anders in Erinnerung. So hätten die gesundheitlichen Aspekte bei dem Glühlampenverbot und der stärkeren In-den-Markt-Bringung der Energiesparlampe keine Rolle gespielt. Eine Untersuchung dazu hätte es nicht gegeben. Es ging weder um Quecksilber, noch die unangenehme Auswirkung des Lichts auf bespielsweise die Psyche des Menschen.
Das EU-Parlament segnete das ab, was ein kleiner Kreis – beraten durch Vertreter der Leuchtmittelindustrie – vorgeschlagen hatte. Dies sei eine durchaus übliche Verwaltungsentscheidung gewesen. Wie nun ein solches Gremium zusammengesetzt ist und ob eine Ausgewogenheit der Interessen gewährleistet ist, entzieht sich der Kontrolle, so Holger Krahmer gegenüber Alexandra Pfeil. Letztlich käme es darauf an, wer mit wem vernetzt ist. So stände der Umweltschutzgedanke nicht im Vordergrund, sondern es könne davon ausgegangen werden, dass wirtschaftliche Interessen die Entscheidungen stark beeinflussen und auf diesem Wege Geschäftsmodelle besorgt würden.
Und das lohnt sich, denn die Energiesparlampe ist nun für 70 % der Deutschen die favorisierte Glühlampe.

Ein weiterer Nachteil der Sparbirne ist die erhöhte elektromagnetische Strahlung. Im Vergleich verursacht die herkömmliche Glühbirne eine wesentlich geringere Feldstärke. Die Energiesparlampe produziert eine Feldstärke von 42 V/m (Volt pro Meter). Für Computerarbeitsplätze liegt der Grenzwert bei 1 V/m! Einige Energiesparlampen produzierten auch über 70 V/m, meint der Sachverständige Wolfgang Maes. So ist die elektromagnetische Einwirkung einer beispielsweise am Arbeitsplatz installierten Sparlampe als biologisch riskant zu bewerten. Neurologische, hormonelle, zelluläre Störungen können durch eine solch hohe Feldstärke ausgelöst werden. Damit von der Autorin konfrontiert äußert sich OSRAM wie folgt:

„Wir haben Ihre Fragen eingehend geprüft und können Ihnen sagen, dass die OSRAM Energiesparlampen allen gesetzlichen Standards in puncto elektromagnetischer Strahlung entsprechen.“ (OSRAM, E-Mail vom 6.12.2011*)

Wolfgang Herter vom Prüfzentrum Wilhelmshaven verweist auf die Möglichkeit einer Abschirmung des Feldes. So hätte ein Hersteller damit die Feldstärke auf die eines Computers reduzieren können.

Wie sieht es mit der Rücknahme ausgefallener Energiesparlampen durch den Handel aus, denn die Leuchtmittel haben im Hausmüll nichts zu suchen? Ein Hinweis darauf, was mit ausgedienten Lampen geschehen soll, lässt sich in vielen Kaufhäusern nicht finden. Und eine Rücknahme wird häufig verweigert. Nur 10 % der Lampen werden an Recycling-Höfen abgegeben. 90 % der quecksilberhaltigen Birnen landen im Hausmüll und vergiften so Umwelt und Erdreich.
Das Recycling ist sehr aufwendig. Glas, Quecksilber und Elektronik werden getrennt. 3 % der Reste einer Energiesparlampe sind nicht recyclebar und werden wie Atommüll unter Tage zwischengelagert.
Doch hatte sich die EU-Kommission mit Einführung des Glühlampenverbots auch Gedanken über die Entsorgung der Energiesparlampen gemacht? Dies erscheint fragwürdig, meint Alexandra Pfeil. Laut Gesetz sind für diese die Hersteller verantwortlich. Die Rücknahme durch den Handel sei eine freiwillige Leistung.

*) Zitat aus dem Filmbeitrag „Ausgebrannt – vom Ende der Glühbirne“

Ich habe heute jedenfalls sämtliche Energiesparlampen durch Halogenlampen mit Birnenkolben und E27-Gewinde ersetzt. Deren Brenndauer ist auf der Packung mit 2.000 Stunden angegeben. War auch hier mehr nicht drin?

„Energiesparlampe“ 2

Energiesparlampen werden dank niedrigerem Stromverbrauch als Fortschritt betrachtet und als Ökolampe bezeichnet. Wie aber sieht es mit deren tatsächlichem Wert für die Umwelt und im Besonderen für unsere Gesundheit aus? Klaus Uhrig stellte den Kinofilm „Bulb Fiction“ von Christoph Meyr zu dieser Thematik in seinem 7-minütigen Beitrag „Bulb Fiction – Wie Energiesparlampen unsere Gesundheit bedrohen“ vor, ausgestrahlt in der ARD-Sendung „titel thesen temperamente“ am 29.4.2012.

ttt-Moderator Dieter Moor leitet Klaus Uhrigs Beitrag mit fünf Fragen ein und gibt auch gleich die Antworten darauf (Zitat):

„Haben Sie das leise Gefühl, dass seit Sie alle Glühbirnen durch Energiesparlampen ersetzt haben, Ihre Energiekosten nicht merklich gesunken sind? Ihr Gefühl stimmt!
Haben Sie den Eindruck, dass Ihre schöne Wohnung in diesem neuen Licht irgendwie schummrig aussieht? Der Eindruck stimmt!
Kommt es Ihnen so vor, als ob diese teuren Lampen nicht länger brennen als die guten, alten Billigbirnen von früher? Sie haben Recht!
Und haben Sie den Verdacht, dass der Weg zur Sondermülldeponie, wo Sie Ihre Hightec-Funzeln ja schließlich entsorgen müssen, Ihre Energiebilanz ins Negative rückt? Auch da liegen Sie richtig!
Und meinen Sie, dass anderes (?) als diese ganze Hysterie über das bisschen Quecksilber in den Energiesparlampen doch ein wenig unangemessen sei? Auch hier irren Sie nicht! Es ist nämlich alles viel, viel schlimmer, wie der Dokumentarfilm „Bulb Fiction“ beweist“*.

Was er machen soll, wenn bei ihm eine zerbricht, fragt der Lichtdesigner Gad Giladi in die Kamera, und rät zum sofortigen Griff nach dem Notfall-Kit. Nein, auspacken würde er das alles jetzt nicht, aber es gäbe darin Stiefel, eine Maske, Schutzkleidung für den Körper. Und dann wären da auch noch diese Chemikalien, die über das Quecksilber gesprüht werden müssten. Weiter sei noch ein kleiner Besen zum Aufkehren enthalten und ein paar Tücher zum Aufwischen. Alles sei wohl sehr kompliziert und es sähe so aus, als sei Quecksilber eine sehr gefährliche Sache. Und man wüsste, das wäre auch der Fall.

Energiesparlampe 2Die tatsächliche Gefährlichkeit von Quecksilber demonstriert in dem Film die Erfahrung von Familie Laus aus Linden in Oberbayern. Nur eine einzige brennende Energiesparlampe war in ihrem Haus zerbrochen. Der kleine Max ist seitdem krank.
Das mit der Energiesparlampe sei im Winter passiert, erklärt Christian Laus, der Vater. Bereits zwei, drei Wochen später – die Kinder seien mit Mützen auf den Köpfen von Schneemannbauen ins Haus zurück gekommen –, hätte er beim Abnehmen von Maxens Mütze zahlreiche Haare darin entdeckt. Es wäre dann soweit gegangen, dass man die Haare vom Kopf des Jungen einfach so abziehen konnte. Nach dem Unfall ist das Haus der Familie auf Jahre unbewohnbar und die Familie bei Nachbarn untergekommen. Der Quecksilbergrenzwert für Wohnräume wurde duch das Zerbrechen einer (!) Quecksilberlampe um das Zwanzigfache überschritten. Es ist wahrscheinlich, dass die immer wiederkehrenden Zitterschübe von Max als eine Folge des giftigen Quecksilberdampfs anzusehen sind.

Es reichen ganz geringe Mengen aus, um böse Krankheiten auszulösen, so der Umweltmediziner Joachim Mutter. Und gerade Quecksilberdampf sei extrem toxisch, weil dieser über die Atmung komplett resorbiert würde.

Quecksilber zerstört Nervenzellen im Gehirn. Das reichert sich eben an, so Gary Zörner, Chemiker am LAFU Delmenhorst, macht immer ein wenig mehr krank und mit jeder Aufnahme auch immer ein bisschen dümmer, da es das Gehirn angreift. Christoph Meyr, der Regisseur, begibt sich nach Huddersfield nahe Manchester. In die dortige Recyclingfabrik kommen korrekt entsorgte Energiesparlampen. Lange wurde seitens der Betreiber die Gefahr durch die Quecksilberreste in den Lampen unterschätzt. Die gesamte Belegschaft vergiftete sich dort vor vier Jahren damit und das Gesundheitsamt schloss die Fabrik – zu spät für so manche Arbeiter, denn ihre Gesundheit wurde für immer ruiniert, recherchierte der Autor.
Der ehemalige Praktikant Andrew Makinson spricht mit Klaus Uhrig über seine immer wiederkehrenden Erinnerungsprobleme, die er zuerst nicht auf das Quecksilber zurückführte. Als die Symptome deutlicher wurden, stellte er sich die Frage, weshalb er das nicht eher erkannt hatte. Ohne dass man davon etwas mitbekäme, schliche sich „das Zeug“ an einen heran – bis es dann zu spät wäre.

Zwar gibt es ein EU-weites Entsorgungskonzept, jedoch hält sich kaum jemand daran. 80 Prozent der Lampen landen laut einer EU-Studie auf der Mülldeponie – das Quecksilber im Trinkwasser. Die Untertagedeponie Herfa-Neurode, größte Sondermülldeponie der Welt, ist das Zwischenlager für Quecksilberabfälle. Wie für Atommüll gibt es auch in diesem Fall kein Endlager.

Nichtsdestotrotz gilt die Verordnung der EU-Kommission in Brüssel, die über den Kopf des Parlaments hinweg entschieden wurde, dass in naher Zukunft in allen Haushalten die Energiesparlampe leuchten soll. Beraten wurde die Kommission von Umweltverbänden und Wirtschaftslobbyisten.
Die Hersteller können über mangelnde Einnahmen durch die teuren Energiesparlampen nicht klagen. Der Wirtschaftswissenschaftler Max Otte: „Warum soll nicht die Lichtindustrie mit der Politik dasselbe machen, was die Bankbranche mit der Politik gemacht hat, nämlich letztlich sich die eigenen Regeln selber geschrieben hat und die Politik das ganze dann abgenickt hat“*.
Der EU-Palamentarier Holger Krahmer (FDP) verweist gegenüber dem Autor darauf, dass es in Europa nur noch zwei maßgebliche Lampenhersteller gäbe: OSRAM und Philips. Und natürlich seien beide dabeigewesen und hätten das Geschäft gewittert.

Eine höchst fragwürdige Studie war Grundlage für die Glühlampenverordnung. Nur in zerstörten (kalten) Lampen ist das Quecksilber gemessen worden. Der gefährliche Quecksilberdampf jedoch hat sich da schon längst verflüchtigt. So kritisieren Wissenschaftler die „Studie“ und meinen, dass man den Quecksilbergehalt eigentlich aufwändig in einem Kernforschungszentrum oder Kernreaktor untersuchen müsste. Dieser Aufwand wurde seitens der EU eingespart. Zudem wurden nur fünf (!) Lampen untersucht – viel zu wenig, wie sie feststellten.
Georg Steinhauser, Physiker an der TU Wien: „Das kann nur ein Scherz sein. Das entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage, dass man mit einer Sample-Größe von fünf Stück auch nur annähernd eine verlässliche Aussage bekommen möchte“*.

Christoph Meyr und sein Team haben zwei Jahre lang für den Film „Bulb Fiction“ recherchiert. Zu Wort kommen EU-Vertreter, Wissenschaftler und die Hersteller. In der so entstandenen Dokumentation kann sich der Zuschauer selbst ein Bild darüber machen, wie aus dem Vorhaben Energie zu sparen, massive neue Umweltprobleme entstehen. Nach dem 90-minütigen Film möchte man nur noch schnell nach Hause, um sämtliche Energiesparlampen aus der Wohnung zu verbannen. Was nachwirkt, ist das Gefühl, als Verbraucher einer großangelegten Täuschung aufgesessen zu sein.

*) Zitat aus dem Filmbeitrag „Bulb Fiction – Wie Energiesparlampen unsere Gesundheit bedrohen“

Soweit der Bericht von Klaus Uhrig zur Dokumentation „Bulb Fiction“ von Christoph Meyr. Es bleibt zu hoffen, dass die Hinweise zur Gefährlichkeit dieser verordneten Giftleuchten so schnell nicht abebben werden und zu einem raschen Verbot der Lampen führen. Eine Vorführung des Kinofilms sollte inklusive Nachbesprechung unbedingt für den Politikunterricht in Schulen zum Thema „Lobbyarbeit von Wirtschaftsverbänden zum Schaden der Bürger in den EU-Kommissionen“ in Erwägung gezogen werden.

Filmstart war der 31.5.2012